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Banda Internationale
Ein Heimat-Musikprojekt mit Dresdner Musikern und geflüchteten Musikern aus aller Welt

Geschichte

Die sächsische Landeshauptstadt war in den vergangenen acht Monaten so etwas wie das Epizentrum einer anhaltenden gesellschaftlichen Debatte über Asylrecht, Fremdenfeindlichkeit und Integration. Für die Dresdner Band Banda Comunale gehört es zum Selbstverständnis, sich an diesen Debatten zu beteiligen. Seit 15 Jahren kennt man sie als Dresdner Original: Eine tanzbare Brass-Band, deren Name übersetzt so etwas wie „Dorf-Kapelle“ bedeutet und die sich schon immer gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit stark machte. Mit ihrer eingängigen und mitreißenden Blasmusik, die sich unterschiedlicher kultureller Einflüsse zum Beispiel aus Osteuropa, Südamerika und Nordafrika bedient, spielten sie unermüdlich auf Demonstrationen, Willkommensfesten, Solidaritätskonzerten und zuletzt sogar direkt in den Erstaufnahmeeinrichtungen. Dabei sind außergewöhnliche Begegnungen entstanden, wie sie kaum ein anderes Medium als die Musik möglich macht. Vergessen sind Sprachbarrieren, interkulturelle Missverständnisse und Hemmungen der ersten Begegnung. Es reicht ein schlichtes „You play. I dance, okay?“ und ein Gefühl von Gemeinschaft und Ausgelassenheit löst für einen kurzen Moment den Alltag ab.

Nach über 40 Konzerten gegen Pegida, gegen „Nein-zum-Heim“-Initiativen und für geflüchtete Menschen in Erstaufnahmeeinrichtungen haben Michał Tomaszewski, Martin Schulze und ihre neun Kollegen beschlossen, dass sie einen Schritt weitergehen wollen: Unter den Geflüchteten musste es doch auch Musiker geben – Menschen wie sie selbst, die ohne ihr Instrument, ohne den Austausch mit Anderen und ohne das tägliche Üben einfach nicht sein können. Sie begannen sich umzuhören, Flugblätter in Unterkünften zu verteilen und Kontakt zu Sozialarbeitern aufzunehmen. Und sie hatten sich nicht geirrt: Neun Musiker aus Syrien, Iran, Irak und Burkina Faso gehören inzwischen fest zum neuen Projekt: Der Banda Internationale.

Die neuen Bandkollegen Akram, Thabet, Qutaiba, Ezchial Wendtoin, Muhammad, Masuod Hamid, Danial und Ahmed bringen der Banda Lieder aus ihrer Heimat bei, lernen wiederum das Repertoire der Band zu spielen, stehen bei Konzerten mit auf der Bühne und sind beim Bier danach dabei.

Für zunächst knapp ein Jahr ist das gemeinsame Experiment des Musizierens, Probens und Auftretens angesetzt. In dieser Zeit organisiert die bunte Truppe Auftritte und spielt Konzerte – auf dem Stadtfest in Freital, im Club in der Dresdner Neustadt oder im Flüchtlingscafé am Staatsschauspiel. Eben da, wo Dresden sie braucht und genau dort, wo sie sich auch zu Hause fühlen. Am Ende wird die Banda Internationale eine CD aufnehmen, die viele Geschichten erzählt, aber ein Thema hat: Heimat. Ein Thema, dem in Deutschland – insbesondere in musikalischer Hinsicht – eher ein verstaubter Beigeschmack anhaftet. Volksmusik, Identität und Heimatverbundenheit sind gemeinhin Terminologien konservativer und rechter Positionen. Doch wie verändert der Verlust der eigenen Heimat den Blick auf diese Fragen? Welche Rolle spielen Traditionen und nostalgische Erinnerungen in einem fremden Land, einer fremden Umgebung und mit einer ungewissen Zukunft vor sich? Und welches Potential steckt eigentlich in einem Perspektivwechsel – ist des einen oller Schunkelschlager des anderen angesagte Neuentdeckung? Begleitet wird die Banda Internationale von einem Kamerateam der Hechtfilm UG, das alle Erfahrungen und Erlebnisse festhält und aus diesem Material einen Dokumentarfilm machen wird.

Preise

Sonderpreis der Staatsministerin für Kultur und Medien Monika Grütters für herausragende Projekte zur kulturellen Teilhabe geflüchteter Menschen  (2016)
Sächsischer Preis für Soziokulturelles Engagement der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen (2016)
Prädikat „Ausgezeichneter Ort im Land der Ideen 2016“ (2016)

Förderer

Förderer

Allen Förderen und Partnern möchten wir herzlich danken. Ohne ihre Unterstützung hätten wir dieses Projekt nicht umsetzen können.

Banda Internationale ist ein gemeinsames Projekt der Banda Comunale und der Cellex Stiftung. Bürgerinnen und Bürgern und zahlreiche Institutionen in Dresden unterstützen das Projekt finanziell oder ideell.

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